FC Fulgor Grenchen – HSV Halten

Seit rund zweieinhalb Jahren hatte ich mich von den Fussballplätzen meiner Region verabschiedet und war nur noch vereinzelt als Zuschauer zugegen. Kein terminliches  Trainingskorsett, nur noch Schönwetterzuschauer, war angenehm, und die Experten sitzen sowieso neben der Linie und nicht auf dem Rasen. 

Nun bin ich zurück im grünen Ring, beäugt von den ebenjenen biertrinkenden Experten, läuferisch noch auf bescheidenem Niveau, aber mit einer coolen Truppe unterwegs. 

Für jene armen Seelen, welche den 5.-Liga-Spielen aus triftigen Gründen fernbleiben müssen, werden kleine Spielberichte verfasst. Einen solchen verfasste neuerlich mein Bruder, ein wahrlich meisterhafter literarischer Erguss mit Abstechern in die griechische Sagenwelt, den ich niemandem vorenthalten möchte und an dieser Stelle gerne publiziere:

Nun, wenn du, lieber Leser, dich auf eine bunte Schilderung eines interessanten Spiels gefreut hast, möchte ich dich gleich hier enttäuschen, doch wenn du beharrlich zu Ende liest, erwarten dich wie in jeder Komödie einen Höhe- und Wendepunkt und auch ein überraschendes Ende. 

Dass die Gastgeber den HSV am biblischen Ruhetag zu solch früher Stunde aufboten, gefiel den meisten nicht. Dementsprechend waren die Gedanken noch in den Schlafgemächern und der HSV nahm eher als Gast am Spiel teil, obwohl er aufgrund der letzten Resultate und der Tabellensituation zu favorisieren war. Nach 15 Minuten schepperte es am Haltner Querbalken, nach 30 Minuten vermochte man den ersten Schuss aufs Grenchner Tor zu begutachten. Ja, ganz richtig, das waren die Ereignisse der ersten Halbzeit, nicht gerade das, was den Geniesser frohlocken lässt. Trainer Hohl blickte während der Pausenansprache in lange, ratlose Gesichter, und war mit der Spielweise seiner Jungs höchst unzufrieden. Man solle den Ball nach kräftezehrender Rückeroberung nicht wieder so schnell hergeben, doch am meisten missbilligte er die mangelhafte Einstellung und die Lustlosigkeit, welche die zweite Mannschaft des HSV an den Tag legte. 

Und so kam es, wie es kommen musste, Fulgor schoss mit etwas Glück das erste Tor. Schuldzuweisungen wären hier fehl am Platz, es war die Konsequenz einer kollektiv schlechten Leistung. Es hatte den Anschein, als ob der HSV heute nicht mehr ins Spiel fände, doch nach einigen Positionsveränderungen von Trainerfuchs Hohl nahm der HSV Fahrt auf. Nach einem groben Foul an Walliser schnappte sich Biegajlo den Ball und zirkelte ihn in den Strafraum. Was sich dann abspielte, versetzte die Haltner Fangemeinde in anhaltlose Ekstase. Marcel Stampfli kämpfte sich den Weg zum Ball frei, jeden Muskel im Körper angespannt und mit zielsicherer Entschlossenheit köpfte er das Leder in die Maschen. Manche behaupteten, eine gewaltige Druckwelle gespürt zu haben, andere wiederum waren sich sicher, die Reinkarnation des Herakles und dessen Heldentaten miterlebt zu haben. Ein Ereignis grenzenloser Faszination und Schönheit verzauberte die Fussballwelt. 

Euer lieber, in Schwärmerei verfallener Erzähler mag womöglich etwas übertreiben, doch dies auch zu Recht, wenn man bedenkt, was noch folgte. Kaum fünf Minuten später packten Daniel Bärtschi die Lebensgeister. Die Glut des Abwehrchefs vermochte auf ihn überzuspringen und ein loderndes Feuer zu entfachen. Der zur Pause eingewechselte Ersatztorhüter schnappte sich im Mittelfeld den Ball und zimmerte ihn aus gut 35 Metern ins Glück. Der gute Zeus selbst hätte seine Äuglein gerieben, hätte er diesen Donnerschlag eines Distanzschusses gesehen. Die erwähnte Komödie mutiert allmählich in eine epische Saga, jedoch finden Helden nie ein glückliches Ende, und als statt Nektar und Ambrosia lediglich Gerstensaft und Hopfentee ausgeschenkt wurde, kehren wir wieder zur Komödie mit „Happy-End“ zurück. 

Das überglückliche „Zwöi“ feierte den glücklichen Sieg in der Sonntagssonne und nimmt aus den letzten drei Partien neun Punkte mit. 

Ein Bericht von Claude Hohl

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