Opfer des eigenen Erfolges
28. Februar 2010 um 22:30 | Veröffentlicht in Wirtschaft | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Euro, EZB, Franken
Wir mögen uns von lybischen Diktatoren, deutschen Finanzministern und amerikanischen Richtern geprügelt fühlen, für den Rest der Welt sind das Luxus-Sorgen. Wer die Schweiz mit ausländischen Augen betrachtet, findet zwischen Genf und St. Gallen nach wie vor paradiesische Zustände vor. Während rund um den Globus die Staatsdefizie neue Rekordhöhen erreichen, kann Finanzminister Hans-Rudolf Merz auf einen Überschuss von 2.7 Mrd. verweisen. Die Schweiz hat wieder zu ihrer Rolle eines sicheren Hafens in unsicheren Zeiten gefunden. Allerdings führt dies zu einem starken Franken.
Sonntags Zeitung, 28. 02.2010
Der Franken, die letzte Bastion eigenständiger europäischer Währungspolitik. Der Schweizer Minderwertigkeitskomplex gegenüber der EU kommt auch hier zum Vorschein. In den Medien liest man seit längerem vom starken Franken. Stärke gegenüber dem Ausland zeigen, auch in der Währung (welche immer noch unsere eigene ist), so die landläufige Meinung.
Dabei ist ein allzu starker Franken nicht nur positiv, sondern durchaus mit ökonomischen Sorgenfalten auf der Stirn zu sehen. Eine stabile Währung im Vergleich zum Ausland macht den Finanzsektor attraktiv. Weitere Profiteure sind wir Konsumenten, da Importgüter billiger werden, auch Ferien machen lässt es sich im Ausland preiswerter. Die Kehrseite der Medaille, der inländische Tourismus, der nichts anderes als eine standortgebundene Exportbranche darstellt, leidet. Der ganze Exportsektor leidet, da Schweizer Produkte im Ausland teurer werden, die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland nimmt ab. Und die Schweiz ist nun einmal ein exportlastige Volkswirtschaft. Wir werden zunehmend Opfer unseres eigenen notenpolitischen Erfolgs, in dem unsere stabile Währung den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise zu ersticken droht.
Und so unabhängig vom Ausland wie wir oft denken sind wir auch nicht mehr. Die europäische Zentralbank versucht der Wirtschaftskrise und tickenden wirtschaftlichen Zeitbomben wie Griechenland und Spanien über das Instrument der Geldpolitik Gegensteuer zu geben, und wertet so unseren Franken weiter auf (bzw. den Euro ab).
Ein zweischneidiges Schwert also, die Sache mit den Wechselkursen. Wie fast überall eine Frage der Perspektive.
Geld
21. Januar 2010 um 12:47 | Veröffentlicht in Wirtschaft | 1 KommentarSchlagwörter: Geld, Glück
Schon erstaunlich, für ein paar bunt bedruckte, wertlose Papierfetzten oder Metallplättchen kann man sich wertvolle Waren wie Automobile, Fernseher usw. kaufen. Für uns ist dies völlig normal, dass wir kaum mehr erkennen, welch bemerkenswerte Einrichtung unser Papiergeld ist. Der Autohändler überlässt mir seinen Wagen nur, weil er sicher sein kann, dass er den Gegenwert wieder einfordern kann, und zwar überall zu demselben Wert.
Nicht auszumachen, wie viel komplizierter unser Alltag ohne diese geniale Errungenschaft wäre. Güter wären dann nur im Tausch gegen andere Güter zu erwerben. Neue Schuhe? Man muss also jemanden finden, der genau die gewünschten Schuhe in der richtigen Grösse und in linker sowie rechter Ausführung anbietet. Wie viele Flaschen Wein bekommt er für seine Schuhe, oder soll ich ihn mit Zucker bezahlen, mit Mehl, einem Stuhl…?
Des weiteren ermöglicht Geld es, “Kaufkraft” zu lagern, es verdirbt nicht (moderate Inflationsraten angenommen und Zeitwert des Geldes ausgeklammert). Zudem hat es eine Zahlungsbemessungsfunktion, es existieren klar determinierte Einheiten.
Geld ist genial, es zu haben beruhigend, es auszugeben schön, einzig Glück ist nicht monetär messbar. Zum Glück!
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