Erlkönig
28. Januar 2010 um 16:20 | Veröffentlicht in Blick zurück | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Erlkönig, Goethe, Marco Rima, Rammstein
Üblicherweise beschäftigt man sich während seiner Gymnasialzeit für eine gewisse Zeitdauer mit Gedichten, schliesslich wird Lyrik von vielen als Königsdisziplin der Literatur angesehen. Ich habe mich damals mit dem Erlkönig von Johann Wolfgang Goethe auseinandergesetzt:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.
Eine etwas andere Version von Marco Rima:
Etwas freier interpretieren Rammstein den Erlkönig in “Dalai Lama”. Ich mag ihre subtile Art, immer wieder grosse Literatur in ihre Texte einfliessen zu lassen. So entdeckt man bei genauerem Hinhören Passagen aus Brechts Moritat von Mackie Messer (Haifisch), Einflüsse von Süskind (Du riechst so gut), Hoffmanns Sandmann (Sandmann), Goethes Heidenröslein (Rosenrot) oder Schillers der Taucher (Feuer & Wasser).
Royal
6. Januar 2010 um 08:11 | Veröffentlicht in Blick zurück | 1 KommentarSchlagwörter: 6. Januar, König
Wie es Brauch stand am heutigen Morgen des 6. Januar einer dieser magischen Kuchen auf dem Tisch. Spannung in der Luft, zum Zerreissen, wer wohl in jenes Stück mit dem kleinen weissen Männlein beisst. Und wieder nichts! Wie schon die letzten Jahre ein Reinfall. Einmal einen Tag auf derselben Stufe wie Melchior, Caspar und Balthasar. Eine Ewigkeit her, ich erinnere mich, 2. Klasse, Zahnlücke, Pilzfrisur und eine Papierkrone auf dem Haupt, die natürlich auf dem ganzen Pausenhof demonstriert werden musste. Einen Tag König lang sein, schön wars!
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